Mai

Wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst.
1.Kor 6,19 (E)

„In einem gesunden Körper, wohnt auch ein gesunder Geist.“, dieses berühmte Zitat des römischen Dichters Juvenal begegnete mir kürzlich in einem Gespräch. Oh Wunder, mein Gesprächspartner war Vorsitzender eines Sportvereins. In der Gemeinde begegne ich solchen Zitaten eher selten. Insgesamt ist das Thema „Körperlichkeit“ eher, naja, sagen wir problembehaftet. Und das schon die ganze Kirchengeschichte hindurch. Wir kennen den Begriff der Seelsorge, wir kümmern uns ums geistliche – der Körper scheint eher zu stören. Wie sollen wir damit umgehen?! Lehrt uns die Bibel nicht sogar, dass wir uns von allem „fleischlichen“ fern halten sollen? Und damit kann doch sicher nur körperliches gemeint sein… Kümmern wir uns also um Geist und Seele. Und so kam es schon in den ersten Generationen der jungen Kirche zu theologischen Strömungen die den Körper abwerteten. Die einen setzten auf strikte Askese und versuchten den Körper möglichst in seine Schranken zu weisen und zu beherrschen, die anderen meinten, es gehe ja eh nur um die Seele, also sei es doch egal was mit dem Körper geschehe – und so gingen sie fröhlich bei den örtlichen Prostituierten ein und aus (im wahrsten Sinne des Wortes) ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob dies in Einklang mit dem steht was sie glauben. Es betrifft doch nur den Körper, nicht die Seele.
Über die Jahrhunderte hat sich eher die Leib- und Sexualitätsfeindlichkeit durchgesetzt, aber in den letzten Jahrzehnten haben wir Christen zum Glück gemerkt, dass es das auch nicht sein kann. Dafür tun wir uns heute schwer zu akzeptieren, dass Gott für unsere Sexualität Grenzen will. Mehr noch, dass Gott überhaupt körperliche Einschränkungen zulässt. Sollte ein liebender Gott nicht auch alle Krankheit nehmen und uns Menschen gesund halten?
Und, ja, Jesu Heilungswunder und auch die Verheißung, dass im Reich Gottes alle Gebrechen aufhören werden sind ein klarer Beleg dafür: Gott will auch für unser körperliches Wohl sorgen.
Aber für den Moment gilt: Unser Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes. Unser Körper gehört Gott. „Mein Körper gehört mir!“ war eine beliebte Parole. Paulus würde vehement widersprechen. Dein Körper gehört, wenn Du Christ bist, Gott. Also behandle ihn so. Begegne Deinem Körper, als sei es ein Tempel, als sei er Heilig.
Was bedeutet das für uns? Ich denke, es bedeutet für jeden unterschiedliches. Der eine sollte vielleicht den Monat Mai dazu nutzen wirklich mal mit Sport zu beginnen und seinem Körper so etwas Gutes zu tun, sozusagen den Tempel mal zu reinigen. Für den anderen kann es bedeuten: Gönne deinem Körper Ruhe, mach nicht durch zu viel Aktivität, Sport oder Stress das kaputt, was Gott gehört. Für manchen bedeutet es vielleicht auch: Lerne zu akzeptieren, dass Gott auch Deinem Körper Grenzen setzt, sei es durch Krankheit, oder sei es dadurch, dass ER auch eine Meinung zu Themen hat die vermeintlich “nur“ den Körper betreffen.
Was mich persönlich übrigens freut: Im Tempel wurde auch gefeiert!! Gott erwartet im Alten Testament von seinem Volk, dass sie das Beste ihrer Ernteerträge und ihres Viehs und Weines im Tempel opfern. Darin spiegelt sich wider, dass eh alles Gott gehört, so wie unser Körper, also sollen wir Gott das beste davon geben. Aber dann lesen wir auch, dass Gott nur einen bestimmten Teil davon für sich beansprucht. Der Rest soll im Heiligtum beim Opfermahl gegessen werden, sozusagen „verfeiert“. „Genießt voll Freude vor dem Herrn, eurem Gott, was eure Arbeit euch eingebracht hat.“ Wenn unser Körper ein Tempel Gottes ist, dann gehört er ganz Gott und wir sollen damit tun, was Gott ehrt. Und dazu gehört es auch, dass wir in der Gegenwart Gottes feiern und genießen.
Aber nochmal zurück zum Zitat von Juvenal: In einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Dieser Satz wird immer nur verkürzt wiedergegeben. Zum Thema Körper, Geist und Gesundheit können wir mit Paulus sicher dem vollständigen Zitat uneingeschränkt zustimmen: „Orandum est, ut sit mens sana in corpore sano.“ „Beten sollte man darum, dass in einem gesunden Körper ein gesunder Geist sei.“ – Am Ende gehört alles Gott und von IHM sind wir abhängig, sowohl die Seele, als auch der Körper.
Ihr Daniel Jander

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